Andalusisches Wappen
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LAND DER POETEN

Der hohe Rang der Dichtung ist in Andalusien nicht nur an den versgeschmückten Wänden der Alhambra abzulesen. Das treffende Wort, ein vergleichendes Bild oder eine gedankliche Zuspitzung zu formulieren war in maurischer Zeit ein Gesellschaftsspiel.

Lyrik wurde nicht nur an steinernen Wänden festgehalten, sondern auch im Gespräch improvisiert. Überliefert sind Geschichten von mächtigen maurischen Fürsten, die ihre Lieblingsfrauen dadurch fanden, dass diese einen begonnen Vers mit einer mutigen, passenden und überraschenden Wendung vollendeten.

Ein gelungener Vers wurde als eine grosse Tat gefeiert. Und es war nicht entscheidend, ob ein Mann oder eine Frau ihn gefunden hatte. Zur Liebeskunst gehörte der poetische Dialog, die Anbetung des oder der Geliebten im Wohlklang mit dem Bildreichtum der Sprache. Ihren Höhepunkt erlebte die feinsinnige maurische Dichtkunst im 11. Jahrhundert nach dem Ende des Kalifats.
Die vielen kleinen taifas waren der Poesie gewogen und buhlten um die besten Dichter an ihrem Hof. Dabei war alles wert, poetisch aufgegriffen und besungen zu werden, vor allem aber die liebe zwischen Mann und Frau und die Schönheit der in den Gärten kultivierten Natur.

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Die offene Sprache über die Freude an sinnlichen Genüssen hat nicht nur Jahrhunderte später Goethe begeistert, sie drang auch zu ihrer Zeit in die sich erneuernde Lebenswelt des christlichen Europa ein. Gepriesen wurde in der arabischen Poesie die Schöpfung. Leidenschaft gab dem Lob die Stimme. Frauen wurden als göttliche Geschöpfe besungen, denen sich Männer in ihre Liebe zu ergeben haben.

Den arabischen Endreim übernahmen nicht nur die französischen Troubadoure, sondern insbesondere die Erneuerer italienischer Poesie, von Franz von Assisi bis zu Dante.
Aus arabischen Formen entwickelte sich das Sonett. Für Goethe waren die arabischen Einflüsse auf die spanische und damit auch auf die grosse europäische Dichtung offenbar. Er liess sich von ihren Motiven und Rhythmen inspirieren und feierte sie enthusiastisch in seinem grossen Dichtungswerk: West-östlicher Divan, wo es heisst: Herrlich ist der Orient übers Mittelmeer gedrungen: Nur wer Hafis liebt und kennt, weiss was Calderon gesungen.

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Andalusien ist ein Land der Poeten geblieben. Im goldenen Jahrhundert spanischer Kultur waren es der Sevillaner Fernando Herrera und der Cordobese Luis de Gongora, die Ende des 16.Jahrhunderts die klassische Lyrik in kastilischer Sprache schufen.

Im sogenannten silbernen Zeitalter, dem ersten Drittel des 20. Jahrhunderts, einer Blütezeit der modernen Poesie in Spanien, kamen ebenfalls deren bedeutendste Protagonisten aus Andalusien. Der neben den Literaturnobelpreisträgern Juan Ramon Jimenez 1956 und Vicente Aleixandre 1977.
Der berühmteste stammte aus Granada, Federico Garcia Lorca, der 1936 von Falangisten erschossen wurde. Wie kein anderer verband er die in der dichterischen Volkskunst verankerten Traditionen seines Landes mit den Erfahrungen der kunstvollen Moderne.

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