GOLDENES ZEITALTER
Das ritterliche Ideal des caballero wendete sich gegen Arbeit und Planung, das christliche gegen arabische Sinnlichkeit und jüdische Geistigkeit.
Aber all dies steckte noch in den Spaniern als Teil ihrer eigenen Geschichte. In der Verarbeitung, Abwehr und Integration dessen, was sie als anders bestimmten, schufen sie sich im 16. Jahrhundert ein eigenes nationales Profil, wenn auch mit regionalen Unterschieden.
Siglo de Oro, Goldenes Jahrhundert, spielt nicht auf das Gold Amerika an, sondern bezeichnet ein Jahrhundert spanischer Kultur, die zwischen 1550 und 1650 einen stilbildenden Glanz entfaltete. Er strahlte auf ganz Europa aus, vor allem auf Literatur und Malerei.

Don Juan eroberte die Weltbühne von Madrid aus. Don Quijote begeisterte die Lesekundigen Europas nachhaltig. Calderóns Dramenkunst beeindruckte nicht nur Goethe und Schopenhauer, sie inspirierte auch Richard Wagner. An Velázquez schulten sich Manet und Picasso. Der Weltspanier El Greco wurde für die Expressionisten des beginnnenden 20. Jahrhundert zum Ahnen ihrer Kunst.
Sogar spanische Sitte war seinerzeit vorbildlich, der caballero - ein Kavalier. Der spanische Handkuss trat seinen Siegeszug an bis tief in den Osten Mitteleuropas. Aber auch spanische Strenge ist seitdem ein Begriff geworden und ein ungeduldsamer, gegen Andersdenkende aggressiv handelnder Katholizismus, vor allem repräsentiert in der spanischen Einrichtung der Inquisition. Sie beherrschten jahrhundertelang das Spanien der Neuzeit und bestimmt auch das siglo de oro, jene düstere Atmosphäre, in der Staat und Kirche gemeinsam wirkten, um das aufkommende Licht europäischer Aufklärung in ihrem Herrschaftsbereich zu verdunkeln und zu dämonisieren.

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