Email Sitemap
title
Home Höhepunkte Andalusische Küche Weine
HÖHEPUNKTE DES JAHRES

Genauso vielfältig und reichhaltig wie seine Landschaft, sind die zahllosen Feste, die in Andalusien gefeiert werden. Der andalusische Festkalender ist eine wahre Enzyklopädie des Brauchtums und des künstlerischen Ausdrucks in Stadt und Land.
Auf den Frühlings- und Erntefesten, auf jeder Kirchweih, bei jedem Feiertag zu Ehren des Ortspatrons oder aus Anlaß der Weinlese, auf jeder Wall- und Pilgerfahrt, zeigen sich feinste Handarbeit, Gastronomie, Musik und religiöse Glaubensvorstellungen in ihrem vollen Glanz.


SEMANA SANTA
In der Semana Santa, der Heiligen Woche vor Ostern, wird der mit Blumen geschmückte Christus durch die Strassen der Städte und Dörfer getragen, zusammen mit Maria Dolorosa, der «Schmerzensreichen» Jungfrau.
Die mannshohen Holzskulpturen sind auf schwere Wagen oder Gestelle montiert. Ihre Träger quälen und schinden sich und holen sich einen blutigen Nacken. Die Geduld der Schauenden scheint grenzenlos zu sein. Kapuzenmänner, Menschen, die Fakeln tragen, sich Ketten an die nackten Füsse gebunden haben und Holzkreuze auf dem gebeugten Rücken schleppen und die Trommeln, die den Zug begleiten, als das erinnert an eine dunkle Zeit, an Inquisition und Folter.

Jeder Stadtteil, jede Gemeinde möchte die prachtvollste Bühne vorführen und vor allem die schönste Madonna haben, die wie eine Königin geschmückt wird. Die jungen Männer der jeweiligen Bruderschaft tragen «ihren Christus» und «ihre Madonna» durch die Stadt wie zur jährlichen Erneuerung eines Bündnisses, das wie der Ritus einer Initiation den Schmerz verlangt, den Tod vor der Auferstehung, die Askese vor der Erlösung, den selbstbewussten Verzicht und die Hingabe an die Freude.
Damit beginnt der Jahreszyklus immer wieder neu. Der Tod wird beschworen, man nimmt ihn geradezu auf sich, will seine Nähe spüren, um der Auferstehung und des neuen freudebringenden Lebens willen.

zu top

FERIA
Ein bis zwei Wochen nach Ostern beginnt dann in Sevilla ein Frühlingsfest, das kein christliches Ereignis, sondern das Leben selbst feiert. Die feria ist ein weiterer Höhepunkt des Jahres, nicht nur in Sevilla. Jede Stadt in Andalusien feiert ihre feria, zu ihrer bestimmten Zeit. Aber die feria von Sevilla ist die grösste und turbulenteste. Das Fest dauert eine Woche - Tag und Nacht. Hunderte von Häuschen, sogenannten casetas, werden auf einem riesigen Areal aufgestellt. Familien, Betriebe, Parteien, Berufsverbände errichten und schmücken sich ihre casetas. Mitgezogen vom vereinigenden Rhythmus der Sevillanas, die man auf den Podien, aber auch zwischen Tischen und Stühlen tanzt, feiern Alte und Junge, Arme und Reiche, Rechte und Linke ein Fest ohnegleichen.
Solch ein Fest macht die Ankündigung eines jeden neuen Frühlings und Sommers verlockend. Die Sevillaner fallen in einen Rausch, der nicht in Zerstörung und Trunkenheit endet, sondern im Rhythmus der Musik und des Tanzes bleibt und bei aller Ausgelassenheit Mass und Regeln kennt. Man zeigt sich, man schmückt sich, und wer kann, kommt beritten oder mit der Kutsche zu den vielen lokalen Festen am Tage des jeweiligen Schutzheiligen sowie zu den ferias und den Erntefesten.

zu top

WALLFAHRTEN
Auch bei manchen Wallfahrten verzichten die Andalusier nicht auf Pferd und Wagen. Die prachtvollste romeria findet zu Pfingsten statt. Tausende von Pilgern und zahlreiche Reiter begleiten die zu prunkvollen Altären umgebauten Ochsenkarren, mit denen sich Männer und Frauen von überall her auf den Weg machen. Tagelang sind sie unterwegs, um das im Mündungsgebiet des Guadalquivir liegende El Rocio zu erreichen, ein stilles, abgelegenes Nest, das einmal im Jahr zu rauschendem Leben erwacht.
Man versammelt sich hier zu Ehren der Blanca Paloma, einer Marienfigur aus dem 13. Jahrhundert, die im Schlick gefunden wurde. Gefeiert wird schon bei Aufbruch und während des langen Weges. Das Hauptfest beginnt am Pfingstsonntag auf dem riesigen Platz von El Rocio und dauert bis zum Mittag des Pfingstmontags. Die Pilger kommen nicht im Büssergewand, sondern in den schönsten Trachten. Unter freiem Himmel wird getanzt, unter den wohlwollenden Blicken der gnädigen Jungfrau.

zu top

STIERKAMPF
Rechtzeitig mit dem Auftakt zu den ersten Frühlingsfesten beginnt die Stierkampfsaison, die bis zum Herbst andauert. Auch hier werden die Formen und Regeln der Tradition gewahrt. Der Stierkampf ist ein ritualisiertes Töten, aber ein gefahrvolles. Die machtvolle animalische Natur des Stiers, der man souverän gegenübertritt, sie beherrschend und sie tötend, atmet der Tod, den sie bringen kann. Es ist ein blutiges, archaisches Spiel, umgeben von einem eigentümlichen, spannungsgeladenen Ernst.

zu top

FLAMENCO
Durchaus ernst geht es auch beim Flamenco zu, den man vielerorts abends oder nachts erleben kann und der vor allem von den in Andalusien lebenden gitanos vorgetragen wird. Nicht einmal die Bedeutung des Namens für jenen Gesang, jene Musik, jenen Tanz ist gesichert.
Die gitanos gehören seit Jahrhunderten zur andalusischen Bevölkerung. Wahrscheinlich indischer Abstammung, zogen sie durch verschiedene Länder Südosteuropas, bis sie Mitte des 15. Jahrhunderts nach Spanien kamen, vor allem nach Andalusien, wo sie bis heute meist von den anderen Einheimischen abgetrennt leben. Dennoch sind sie mit der Kultur dieses Landes verwurzelt, die sie inspirierte, und der sie eigene Töne, Lieder und Tänze schenkten, deren Kraft und bizarre Ausdrucksform die Menschen bis heute anrührt und begeistert.
Auch im Flamenco geht es scheinbar um Leben und Tod. Der kehlige wimmernde und sich im Schrei dramatisch öffnende Gesang kündet von jahrhundertlanger Unterdrückung, reisst einen Abgrund verfehlter Liebe auf oder verleiht dem Schmerz des Verlassenseins Stimme. Der Tanz des Mannes wie der Frau unterstreicht die Würde ihrer Eigenart und die kraftvolle Spannung ihrer geschlechtlichen Gegensätze. Die Geschlechterspannung wird im Tanz hart zum Ausdruck gebracht, bleibt aber human, weil jeder der Beteiligten seine Würde behält und niemand niedergerungen wird. Die Ekstase des einzelnen wird getragen, begleitet und angefeuert von der Gruppe, der er angehört und die den Rhythmus vorgibt. Die Ekstase ist ein Heraustreten und ein Besessensein, eine Fühlungsnahme mit einer anderen Welt, mit dämonischen Kräften, die man zulässt, die überwältigen, die man aber dennoch beherrscht, indem sie Gesang und Bewegung werden.


Flamenco ist nur ein Aspekt der andalusischen Folklore. Musik, Tanz, ritueller Tod und inszenierter Frohsinn sind durchaus kein operettenhaftes Beiwerk oder eine Zugabe für den Touristen. Sie sind als willkommene Erhöhungen des Alltags authentischer Lebensausdruck der Bevölkerung.

zu top




Stierkampf Flamenco Karneval Wallfahrten Feria Semana Santa