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STIERKAMPF |
BEDEUTUNG
Der Stier ist auf der iberischen Halbinsel ein Symbol der Fruchtbarkeit. Uralte Hochzeitsriten mögen die späteren Formen des Stierkampfes inspiriert haben. So mussten sich die Männer dem Stier vor der Hochzeit bis auf Tuchfühlung nähern, um durch mutige Berührung Zeugungskraft übertragen zu bekommen und Mannbarkeit zu beweisen. Die Bräute warfen aus dem Fenster kleine Speere auf den Stier, so dass er zu bluten begann. Stierkämpfe gab es schon in der Antike, allerdings nicht in dieser Form.
Francisco Romero aus Ronda initierte den Stierkampf zu Fuss, mit dem roten Tuch bewaffnet. Die Stadt Ronda erhebt seitdem den Anspruch auf Ruhm. Francisco Romero war der Begründer der berühmtesten Stierkämpferdynastie Spaniens. Sohn und Enkel setzten im 18. Jahrhundert sein Reformwerk fort. Sie schufen den Stierkampf wie er bis heute in Spanien ausgeübt wird. Seit dem legendären Enkel Pedro Romero, der über 5000 Stiere tötete und zuletzt als Achtzigjähriger in der Arena stand, ist der nüchtern - klassische Stiel der Schule von Ronda berühmt. Sie steht in Konkurrenz zur zweiten grossen andalusischen Schule in Sevilla, die spielerischere und farbige Varianten bevorzugt.
Die Romeros aus Ronda hatten dem Adel den Stierkampf aus der Hand genommen. Fortan war er Sache des Fussvolks. Ein erfolgreicher Torero zu werden ist bis heute der Traum der Armen geblieben, während die Grossgrundbesitzer darum wetteifern, die besten Stiere zu züchten. Die Hochachtung für den Züchter ist um so grösser, je kämpferischer der Stier. Mit ihm kann der Torero seine Fähigkeiten beweisen, aber auch , ehe er den Tod geben kann, selbst den Tod finden. In diesem Risiko liegt sein Stolz begründet. Der Tod des matadors ist nicht beabsichtigt, doch die Anzahl derer, die ihn in der Arena gefunden haben, ist gross.

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In die Geheimnisse des Stierkampfs vermag nur ein aficionado einzudringen, denn um die Besonderheiten und Schwierigkeiten zu durchschauen, bedarf es intimer Kenntnis der Tradition. Kleidung, zeremonielle Abfolge der Kampfabschnitte und die Stellungen des Toreros, während er dem Stier mit dem Tuch begegnet, ihn passieren lässt und dabei würdig, ruhig und fest stehen bleibt, sind die Charakteristika des Stierkampfes. Der Stier rennt gegen die Tuchschwenker an, die noch jungen namenlosen Toreros beweisen ihren Mut und ihre Geschicklichkeit. Der bebende Stier wirkt stark und überlegen. Alles, was folgt, das Reizen und Rennen, dient seiner Erschöpfung. Das farbenblinde Tier reagiert auf jede Bewegung. Es ist in seinem Leben noch nie einem tuchschwenkenden Torero begegnet. Sonst wäre es für den Kampf verdorben und wüsste zuviel. Zwanzig Minuten hingegen sind zu kurz, um diese Lektion zu lernen.
Die Zeremonie beginnt pünktlich und festlich mit dem Einmarsch der Toreros und ihrer Gefolge. Toreros heissen alle, die am Kampf gegen den Stier in der Arena beteiligt ist. Für den Stier , der aus dem beengten Dunkel in die lichtvolle und lautstarke Arena stürmt, beginnen die grausamen letzten zwanzig Minuten seines Lebens, für die er fünf Jahre lang in Freiheit leben durfte. Ohne diese Freiheit wäre er kein Kämpfer geworden. Ein Stier, der dennoch nicht kampflustig ist, wird vom Publikum ausgepfiffen, bis der Präsident entscheidet, dass er die Arena zu verlassen habe. Zu diesem Zweck treibt man Kühe herein und wieder heraus. Dem Ewigweiblichen hinterdrein folgt der Stier willig. Aber noch im Verschlag trifft ihn der Tod wie ein normales Schlachtvieh. Nur äusserst selten werden Stiere verschont, und dies nur dann, wenn sie ungewöhnlich gut und ausdauernd gekämpft und das Publikum begeistert haben. Es ist kein Spiel. Es gibt keine Fairness. Es ist ein Tötungsritual.

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ZEREMONIE
Für alle, die nicht mit dem Stierkampf vertraut sind, möchte ich nun chronologisch den Ablauf einer Corrida beschreiben. Danach möge jeder selbst entscheiden, ob er einen Stierkampf in sein Programm eines Spanien-Besuchs aufnimmt.
Am Beginn steht der Paseillo. Alle Mitwirkenden ziehen in die Arena ein und stellen sich dem Publikum vor. Zwei berittene Alguacilillos erbitten dann symbolisch vom Komitee den Schlüssel zur «Puerta de los Toriles», dem Tor, hinter dem sich die Kampfstiere befinden.
Der eigentliche Stierkampf besteht nun aus drei durch Horn-Signale getrennten Teilen, die Tercios genannt werden. Normalerweise nehmen drei Toreros an einer Corrida teil, und auf jeden davon entfallen zwei Stiere.
Im ersten Drittel, dem sogenannten Tercio verwendet der Torero die Capote, ein relativ großes Tuch von purpurroter und gelber Farbe. Zwei berittene Picadores, die den Stier mit einer Lanze abwehren, kommen dann in der Arena.
Im zweiten Teil stehen nun die Banderilleros im Mittelpunkt. Sie müssen zwei Banderillas, mit bunten Bändern geschmückte Spieße, in den Rücken des angreifenden Stieres stoßen. Eine andere Art des des Stierkampfs ist der Rejoneo. Der Rejoneador pickt und tötet den Stier zu Pferd.
In der abschließenden «Suerte suprema» verwendet der Torero die Muleta, ein kleines rotes Tuch. Nun muss er seine faena, seine Meisterschaft im Umgang mit dem Stier beweisen und ein künstlerisches Gleichgewicht zwischen menschlicher Geschicklichkeit und animalischer Kraft herstellen. Am Ende der Corrida tötet der Torero den Stier, indem er ihm sein Schwert in den Nacken stößt.

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