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Wer die Folklore dieser Region kennenlernen will, sollte Sevilla im Frühling besuchen. In einem Abstand von nur zwei Wochen finden die beiden bedeutendsten und beeindruckendsten Feierlichkeiten während des ganzen Jahres statt: Semana Santa, die Karwoche, mit ihren weltberühmten Prozessionen, und die Feria de abril.

In der Karwoche findet in Sevilla eine der rührendsten Festlichkeiten statt, die Semana Santa, ein einmaliges Schauspiel, das wohl in der ganzen Welt bekannt ist. Die Stadt zeigt sich dann von ihrer frommsten Seite und entfaltet all ihren Glanz an Farben und Gefühlen.
Die Tradition der Semana Santa geht auf das 16. Jahrhundert zurück, als die katholische Kirche beschloss, der Bevölkerung die Passion Christi auf leicht verständliche und zugleich eindrucksvolle Weise nahe zu bringen: die bedeutendsten Künstler wurden beauftragt, Heiligenfiguren aus Holz anzufertigen, die dann, mit wertvollen Seidengewändern bekleidet, vor den Prozessionen hergetragen wurden. Der Realismus der Darstellungen hinterließ tatsächlich einen tiefen Eindruck, und noch heute organisieren über 50 Laienbruderschaften die Semana Santa von Sevilla.

In langen Prunkzügen werden die sogenannten pasos zur Schau getragen. Die Skulpturengruppen, zum Teil regelrechte Kunstwerke, die Heiligenbilder aus der Leidensgeschichte Christi und der schmerzensreichen Mutter darstellen. Vor dem Paso schreiten die sogenannten Nazarenos, mit langen Mänteln und Kapuzen, die nur die Augen freilassen und grosse Osterkerzen zur Beleuchtung tragen. Hinter dem paso gehen die Büsser, das sind die Penitentes, die Kreuze auf ihren Schultern tragen. Danach folgt die Musikkapelle, die mit ihrem Trommelwirbel und im Trauermarsch den Abschluss des Zuges bilden. Ein solcher Zug nennt man Prozession.
Die Nazarenos, die Penitentes und ebenso die Costaleros, die die Statuen tragen, wobei auf einen einzelnen Mann bis zu 100 kg entfallen, sind Mitglieder einer Cofradia, einer religiösen Brüderschaft, deren Hauptaufgabe es ist, eine dieser Prozessionen, die zu einem genau bestimmten Zeitpunkt auf einer genau bestimmten Route von ihrer Pfarrkirche aus zur Kathedrale und zurück zur Pfarrkirche ziehen, was bis zu 8 Stunden lang dauern kann, minutiös vorzubereiten. Insgesamt gibt es in Sevilla 52 Cofradias. Es ist äussert schwierig, das Empfinden der Leute während der Karwoche zu beschreiben. Jedoch für den Zuseher sind diese Prozessionen, die von Musik und Weihrauch begleitet werden, äußerst eindrucksvoll, und tausende Touristen besuchen Sevilla während der Karwoche, um dieses einzigartige Schauspiel mitzuerleben.

Zwei Wochen danach findet die Feria de Abril statt. Ursprünglich ein Viehmarkt, der sich im Laufe der Zeit zum wohl fröhlichsten Volksfest im ganzen Land gewandelt hat. Unzählige casetas, provisorische Häuser und Zelte, werden auf dem Gelände aufgebaut und mit farbigen Lampen geschmückt. Morgens ziehen die Landbesitzer in ihren traditionellen Trachten, zu Pferde oder in Pferdekutschen, auf das Terrain. Am Nachmittag beginnt dann ein grossartiges Fest, bei dem Sevillanas und die Manzanilla (Wein) im Mittelpunkt stehen, und das die ganze Nacht lang dauert. Dieser Tagesablauf wiederholt sich während einer ganzen Woche. Die bunten Flamencokostüme der Frauen, die Lampions in grellen Farben, die Pferde mit ihrem Schmuckzaumzug und vor allem die Sevillanas, der typische andalusische Tanz bilden die Höhepunkte der Feria de Abril. Während dieser Woche finden weiter die bedeutendsten Stierkämpfe statt. Für all jene, die die Feste feiern wollen wie sie fallen, ist die Feria sicher der allerbeste Zeitpunkt für einen Besuch in Sevilla.

Im Anschluß an die Feria de Sevilla gibt es in vielen der umliegenden Ortschaften ähnliche, wenn auch natürlich weitaus kleinere, Ferias.

Ein weiteres für den Besucher sicher attraktives Fest ist der Dia de la Inmaculada. In der Nacht vom 11. zum 12. Dezember versammeln sich alle Tunas der Stadt, Studentenvereinigungen in mittelalterlichen Trachten - sowie viele aus ganz Spanien - vor der Statue der Virgen de la Inmaculada, zwischen Kathedrale und Alcazar, um ihre traditionellen Gesänge darzubieten. Am folgenden Morgen gibt es in der Kathedrale die Danza de los Seises, eine Tanzvorführung von Kindern, die ebenfalls traditionelle alte Trachten tragen, zu bewundern.

Am Abend des 5. Jänner findet der farbenprächtige Umzug der Heiligen drei Könige, die von ihren Pferdewagen aus den Kindern Süßigkeiten zuwerfen, statt.

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Giralda